Die Binnwerk'sche Stiftung
Modell von gestern für morgen?
 
Das Schild am Haus für Kinder ist Ihnen vielleicht schon aufgefallen, auf dem der Name der Geschwister Binnwerk genannt ist. Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, was es denn mit der „Binnwerk-Stiftung“ auf sich hat, die über so viele Dinge im Haus für Kinder Markt Einersheim entscheidet.

1884 haben die Geschwister Georg Binnwerk (München), Auguste Binnwerk (Augsburg) und Luise Binnwerk (Markt Einersheim), die alle unverheiratet geblieben sind, ihr Vermögen in eine Stiftung eingebracht. Sie wollten damit, wie es die Stiftsungsurkunde sagt „die Angehörigen ihres Heimatortes in ihrerm Lebensfortkommen zweckmäßig ... unterstützen und der beteiligten Gemeinde bei der Fürsorge für die hilfsbedürftigen Familien in menschenfreundlicher Weise an die Hand ... gehen.“

Mit dem Stiftungsvermögen sollte die Gemeinde Markt Einersheim

  1. einen Kindergarten,
  2. eine Tagesstätte für schulpflichtige Kinder und
  3. ein Kinderheim für verwaiste, von ihren Eltern verlassene und ganz verwahrloste Kinder einrichten.

Ing. Georg Binnwerk,
Markt Einersheim
Stifter des Kindergartens und
Kinderheims 1884/85
Man sieht: Die „gute alte Zeit“ war auch nicht ohne Probleme. Alle diese Aufgaben sind uns bis heute erhalten geblieben. Auch die Gemeinschaft früherer Zeiten konnte nicht alle Probleme lösen, auch damals waren es oft die Kinder, die unter die Räder kamen, wenn Eltern ihren Aufgaben aus den verschiedensten Gründen nicht nachkommen konnten.
Dass Privatleute bereit waren, für diese Aufgaben ihr Geld einzusetzen, das sie mangels Nachkommen in der eigenen Familie nicht weitervererben konnten, scheint mir beispielhaft. Jedenfalls spricht daraus mehr Gemeinschaftssinn als aus dem anklagenden Rufen nach „dem Staat“, der „unbedingt etwas tun“ sollte gegen die Missstände (und dem man anschließend gleich wieder vorwirft, wieviele Steuern er verlangt und wieviel Geld er für irgendwelche Unterstützungen ausgibt)!
Als Gebäude stand seinerzeit das rote Haus in der Nürnberger Straße 4 zur Verfügung.
Bis 1957 war hier ein Kinderheim, später dann Altenheim. Im Erdgeschoß war der Kindergarten, der nach Aufgabe des Altersheims um eine Vorschulgruppe im ersten Stock erweitert wurde.

Heute reicht das Stiftungsvermögen natürlich nicht mehr aus, um auch nur das Haus für Kinder zu finanzieren. Geblieben aus der alten Zeit ist der Stiftungsvorstand, dem

  • der jeweilige Ortspfarrer
  • der Bürgermeister
  • der jeweilige Arzt
  • der Schulleiter
  • sowie ein Bürger/eine Bürgerin des Ortes Markt Einersheim angehören (derzeit: Frau Rosa Blümlein).

Man sieht auch hier die alten Zeiten: Es ist so etwas wie die „alte Dorfherrlichkeit“, die die Stiftung verwaltet.
Seit die Gemeinde Einersheim der VG Iphofen angehört, werden die finanziellen Angelegenheiten des Hauses für Kinder dort erledigt. Das heißt natürlich nicht, daß Ihr „gutes Geld“ in Iphofen irgendwie in einem „großen Topf“ verschwindet (Manche Einersheimer scheinen sich da auch heute nicht so ganz sicher zu sein...)! Vielmehr gibt es einen eigenen Haushalt für das Haus für Kinder, in dem die Beiträge, die Zuschüsse und auch die Spenden und Erlöse der Veranstaltungen ordentlich verbucht werden. Selbstverständlich wird das Geld anschließend so verwendet, wie es der Elternbeirat, die Mitarbeiterinnen im Haus für Kinder und der Stiftungsvorstand beschlossen haben. Wer sich selbst überzeugen möchte, kann in den Haushaltsplan ebenso wie in die Jahresrechnung der Stiftung Einblick nehmen: beide werden, wie es in Kirche wie politischer Gemeinde üblich ist, jeweils an bestimmten Terminen zur Einsichtnahme aufgelegt.
Die Dinge sind also durchaus wohlgeordnet, auch heute. Ich denke, die Geschwister Binnwerk haben es verdient, dass man gelegentlich an sie denkt - der Ort Markt Einersheim und besonders seine Kinder verdanken ihnen und ihrer Uneigennützigkeit eine ganze Menge! Der Name „Binnwerk“ wäre längst vergessen, wenn die Geschwister sich durch die Stiftung nicht einen Platz im Andenken der Nachwelt geschaffen hätten. In Zeiten des knappen Geldes ist es nicht verkehrt, denke ich, gelegentlich über die soziale Bindung des Eigentums nachzudenken und nicht einfach nur nach „dem Staat“ zu rufen, wenn irgendwo eine Aufgabe zu erledigen ist.

Die Binnwerk'sche Stiftung ist ab 01.01.2014 nur noch für das Gebäude zuständig. Über alle anderen Belange entscheidet nun der Kirchenvorstand der evang. Kirchengemeinde Markt Einersheim.

Martin Ost

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